SmartZones – die Hinter- und Abgründe

Nichts ist was.

Ein kleines Szenario

Ich rolle so auf meinem SlowBike die Straße entlang…
Ein Bagger fährt über die Baustelle da drüben. Staub wird aufgewirbelt. Es ist laut. Dennoch höre ich einen Vogel zwitschern. Es riecht nach Gebratenem. An der Bushaltestelle unterhalten sich Leute. Im Feierabendverkehr schieben sich Blechlawinen über die anliegende Hauptstraße genervt und erschöpft Richtung Heimat. Ich sehe Menschen lächeln, während sie auf ihr Smartphone schauen. Ich sehe Menschen stumm und in Gedanken. Der Himmel ist blau. Nur ein paar Wolken. Ich lasse den Blick schweifen und bleibe, ob ich es will oder nicht, an einem der vielen Werbeplakate hängen und ich denke: „Katjes… No No No!“

Die Probleme

Wie Feinstaub in der Luft – unsere Stadt und auch unsere Wohnräume sind mit Unmengen von Informationen besetzt. Allein die Anzahl analoger Informationen in einem dicht besiedelten Stadtraum ist enorm. Viele davon buhlen ständig um unsere Aufmerksamkeit, ziehen uns mit manipulativen Botschaften, teilweise sehr subtil, in ihren Bann und zeigen uns ein verzerrtes Bild der Realität. Und als ob wir damit nicht schon genug zu tun hätten, kommen nun auch noch die überwältigenden digitalen Informationen hinzu, die uns zusätzlich in unseren eigenen vier Wänden nicht loslassen. Wir sind dieser Flut ohne Regulation jeden Tag ausgesetzt. Smombies wo man geht und steht. Jeder kennt dieses Bild und wir alle sind Teil dieser Bewegung. In manchen Städten auf der Welt wurden Fußwege extra für Smartphone-abhängige Leute errichtet, damit sie sich nicht verletzen, während sie multitaskend, mit den Augen auf ihren Screens durch die Straßen hetzen. Nochmal schnell dies und das nachschauen oder hier mal fix zurückschreiben.
Vor allem die hohe Konzentration der Informationen und daraus entstehende Möglichkeiten führen zu mentaler Überforderung und bedeuten eine ständig zerstreute Aufmerksamkeit. Folglich unzählige kleine Entscheidungen treffen zu müssen, fördert (oft unbemerkt) Stress. Viele Menschen haben ihre Fähigkeit (wenn sie sie überhaupt einst erworben hatten) für tiefgründiges Denken und Arbeiten verloren. Es fällt uns zunehmend schwer, wichtig von unwichtig zu unterscheiden. Was tut uns wirklich gut, was okkupiert uns nur und lässt uns nicht klar sehen?
Die kurze Meditation zwischendurch oder das Yoga am Morgen reichen gefühlt nicht mehr aus, sich gegen die Informationsflut und die Schreie nach Aufmerksamkeit unserer allgegenwärtigen smarten Technologie zu wappnen. Die dezentere Forderung nach Aufmerksamkeit von unseren realen Mitmenschen wird durch die vielen Informationen, mobile Möglichkeiten, die wir überall haben und mithinnehmen können und die Konfusion aufgrund dessen schnell verschluckt.
Es gibt zu wenige Orte und Zeiten (v.a. im schnelllebigen, geschäftigen Stadtraum), an und in denen wir durchatmen, uns besinnen und fokussieren können, auf die Dinge, die wir wirklich wollen, die uns wirklich wichtig sind und uns nachhaltig guttun. Gelegenheiten, in denen Ressourcen frei werden für Fragen wie: Was brauche ich gerade? Wie geht es mir? Oder: Wie geht es den anderen Menschen um mich herum?

Der Ansatz

Brauchen wir Alles immer überall?
Alles: in diesem Fall, die unzähligen Möglichkeiten, die u.a. durch Mobiltelefone immer und überall zugänglich sind sowie die Konzentration und Dichte der (digitalen) Informationen. Wir haben die Welt in unserer Hosentasche und vermutlich viel zu häufig vor unserem Gesicht…

Wie wäre es mal mit N I C H T S?

Wir haben doch eigentlich Alles, aber N I C H T S scheint für uns zunehmend schwieriger erreichbar zu sein.

Ich möchte gern die Aufmerksamkeit, die zu oft zu schnell von unseren allgegenwärtigen smarten Begleitern verschluckt wird, auf ein sehr relevantes und zunehmend wichtiger werdendes Thema lenken: Das Wohlbefinden in einer informationsüberlasteten digitalisierten Welt.
Ziel des Projektes ist, dass wir als Menschen wieder mehr bei uns selbst sein können und verstärkt die Chance erhalten, zu spüren, dass unsere Aufmerksamkeit ein hohes Gut ist, für das es sich zu kämpfen lohnt! Wir selbst sollten bestimmen können, wie wir unsere Zeit verbringen. Aber genau das macht uns vor allem unsere smarte Technologie extrem schwer. Sie ist sogar zu einem Großteil designt, um unsere eigene Psychologie gegen uns zu verwenden, um uns zu manipulieren, uns abhängig zu machen und unsere Aufmerksamkeit so lang wie möglich zu binden. [Quelle]
Genau deswegen ist es notwendig, an ein paar kleinen Stellschrauben unseres Alltags zu drehen, um eine gesündere Lebensweise erkennen zu können und ein Gleichgewicht in einer zunehmend digitalisierten und mit Informationen überfrachteten Welt zu finden. Ich bin grundsätzlich dafür, dass wir die Zugänglichkeit von Informationen auf die für uns richtigen Orte und Zeiten verteilen, damit wir uns bewusst diesen Inhalten widmen können, uns darauf konzentrieren und besser fokussieren können, um wieder mehr Tiefe in unseren Gedanken und Handlungen entstehen zu lassen.
Für unser Wohlbefinden, zur Förderung menschlicher Fähigkeiten, echter sozialer Interaktion und einem gesunden Miteinander!

Die Ziele

Zeit und Raum schaffen, um wieder mehr bei uns selbst zu sein, um wieder mehr bei uns allen und unserer Umwelt sein zu können.

  • Aufmerksamkeit für ein gesellschaftlich höchst relevantes Thema erzeugen und dadurch Diskussionen anregen
  • Mentale Entlastung und Entschleunigung der Teilnehmenden am öffentlichen Leben schaffen
  • Gemeinschaftliche Möglichkeiten zur Regulation digitaler Überlastung schaffen
  • Menschliche Fähigkeiten, wie z.B. Geduld und Konzentration fördern
  • Soziale Interaktion, Verbundenheit und Gemeinschaftsgefühl fördern
  • Das Wohlbefinden fördern
  • Die Chancen auf Reflexion und Besinnung steigern (Achtsamkeit im Alltag)
  • Ein Bewusstsein für smarte Technologie und einen Weg zu einem gesünderen Nutzungsverhalten fördern (Schaffung einer Balance zwischen Tun und Sein)

Gedanken zu SmartZones

  • SmartZones sind dazu da, Langeweile und die Teilnahme am realen Leben zu fördern und kognitive Belastung auf die dafür gekennzeichneten Bereiche auszulagern.
  • SmartZones sind zur klaren Kommunikation mit meiner realen Umgebung da: Wenn ich eine SmartZone benutze, dann ist klar: Ich möchte jetzt gerade gedanklich bewusst woanders sein, nicht im Hier und Jetzt bzw. nicht in meiner realen Umgebung.
  • SmartZones könnten temporär oder permanent an verschiedenen Stellen des öffentlichen Raumes errichtet werden.
  • Es wäre interessant, die Reaktionen der Leute einzufangen: Benutzen sie die SmartZones, ignorieren sie sie? Benutzen Sie die SmartZones, wenn andere Leute die SmartZones benutzen? Welche Auswirkungen hat die Installation von SmartZones langfristig auf das Nutzungsverhalten? Die Leute könnten sich fragen: Welche Funktionen meines Mobiltelefons brauche ich wirklich überall? Worauf kann ich nicht verzichten? Worauf kann ich verzichten? Was bringt mir das?

Zusammenfassung und Ausblick

Es wird so nicht funktionieren. Es muss nicht funktionieren. Oder doch? Egal: Es ist ein Augenöffner. Es wird die Aufmerksamkeit in die richtige Richtung lenken und Leute zum Umdenken anregen.
Dieses soziale Experiment ist ein kleiner Schritt in Richtung Menschlichkeit. Langfristig muss der Fokus ebenso darauf liegen, Änderungen auf technologischer Seite zu erzielen, für gesündere smarte Produkte und Systeme, die wir als Werkzeuge nutzen können, und die nicht uns und unsere Daten nutzen, von unserer Aufmerksamkeit abhängig sind, und uns in der Gesellschaft voneinander entfernen. Zusätzlich können wir uns schützen, indem wir achtsam mit Technologie umgehen.
Den Stadtraum mit weniger irrelevanten Informationen zu füllen bzw. für eine (lokale, zeitweise) Informationsentlastung zu sorgen, würde sicher einen attraktiveren Ort zum Leben schaffen. Sollte nicht der öffentliche Raum ein Ort der Begegnungen sein, anstatt Rückzug, Entfremdung (von uns selbst und unseren Mitmenschen), Stress und Isolation zu fördern?
Wir müssen ja nicht monotasken, aber lasst uns wenigstens nicht mehr multitasken müssen. Lasst uns die Köpfe wieder hochnehmen. Lasst uns unsere kleinen großen Blasen und Komfortzonen verlassen. Lasst uns uns Grenzen setzen, um wieder befreit durchatmen zu können.

Wie soll damit die Stadt nachhaltig verbessert werden?

Die Leute in der Stadt bekommen mehr Raum und Zeit, die Augen zu öffnen, um zuzuhören, um achtsam zu sein und dadurch gute Ideen generieren zu können, wie unsere Stadt nachhaltig verbessert werden kann (vgl. eingehendes Szenario). Freie, zufriedene Leute achten weitgehend von selbst darauf, dass sich ihre Umgebung positiv entwickelt. Wir haben als Essenz, auf einer Metaebene, zusätzlich zum „Produkt“ SmartZones, tendenziell viele Leute, die gewillt sind und Ressourcen aufbringen können, die Stadt und die eigene Umwelt gesund und nachhaltig zu gestalten.

Und nun?

Ihr habt auch noch gute Ideen und Anmerkungen, wollt noch mehr erfahren oder möchtet euch einfach zum Thema ausstauschen?

Ich freue mich über euer Interesse.

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